Thi Thanh Trang Nguyen Dr. Med. Effekte Urämischer Seren Auf Die ...
Thi Thanh Trang Nguyen
Dr. med.
Effekte urämischer Seren auf die Sekretion von Gonadotropin- Releasing-Hormone
(GnRH) durch immortalisierte Hypothalamus- Neuronen: ein Modell der
neuroendokrinen Dysregulation bei Niereninsuffizienz
Geboren am 18. 12. 1971 in Tan Son Hoa/ Vietnam
Reifeprüfung am 22. 06. 1992 in Landau/ Rheinland Pfalz
Studiengang der Fachrichtung Medizin vom SS 1993 bis WS 1999
Physikum am 30. 03. 1995 an der Universität Heidelberg
Klinisches Studium in Heidelberg
Praktisches Jahr in Heidelberg
Staatsexamen am 08. 11. 1999 an der Universität Heidelberg
Promotionsfach: Kinderheilkunde
Doktorvater Priv.-Doz. Dr. med. Franz Schäfer
In der vorliegenden Arbeit wurde die GnRH- Sekretion unter urämischen Bedingungen mit
Hilfe des hypothalamischen GT1-7- Neuronen untersucht. Die Neuronen bilden in Zellkultur
neuronale Netzwerke und produzieren spontan pulsatil GnRH.
Es wurde urämisches und nicht urämisches Serum von männlichen 5/6 nephrektomierten bzw.
scheinnephrektomierten Ratten nach Orchidektomie zur Inkubation der GT1-7 Neuronen
verwendet. Desweiteren wurden drei Substanzen (PTH, Vit D3, Leptin) in jeweils drei
verschiedenen Konzentrationen, die in der Urämie bzgl. Ihrer Produktion, Clearance
und/oder ihrer Genexpression verändert sind, auf ihren Einfluss auf die GnRH-Sekretion bei
GT1-7 Zellen untersucht. Zusätzlich wurden die Zellen dem Einfluss eines azidotischen
Milieus ausgesetzt und die GnRH- Sekretion beobachtet. In einem weiteren Schritt sollte mit
Hilfe der Serumfraktionierung die Molekulargewichtsklasse der für die Störung des GnRH-
Pulsgenerators verantwortlichen Substanzen bestimmt werden.
Die Messung der GnRH- Konzentration im Überstand nach 1h, 24 h Seruminkubation und im
Zelllysat wurde mit Hilfe eines GnRH- Radioimmunoassays vorgenommen.
Die GnRH- Genexpression wurde durch eine mRNA- Bestimmung mittels Northern Blot
untersucht. Die
Apoptoseraten wurden durch einen
terminalen
Desoxyribonukleotidyltransferase-Assay bestimmt.
Wir fanden eine Reduktion der extrazellulären GnRH- Konzentration um 20 ± 4,1% (p <
0,01) bei den Zellen nach Inkubation mit urämischem Serum nach 1 h und um 30,5 ± 4,1 % (
p < 0,001) nach 24 h.
Die intrazelluläre Konzentration stieg um 11,5 ± 1,1 % in den urämischen Zellen (p < 0,002)
nach 24 h Seruminkubation. Durch Zellviabilitätsprüfungen mit dem Trypanblau-
Exklusionstest und Bestimmung der Apoptose wurden zytotoxische und proapoptische
Effekte des urämischen Serums ausgeschlossen. Auch die vorbeschriebenen in der Urämie
veränderten Substanzen (Leptin, PTH und Vitamin D3) zeigten bei den GT1-7 Neuronen
keine Beeinflussung der GnRH-Sekretion.
Azidose bewirkte eine Reduktion der extrazellulären GnRH-Sekretion um 21,7 % (p= 0,01)
nach 24 h. Intrazellulär stieg die GnRH- Konzentration um 48,5 % (n.s.).
Die Ergebnisse der Inkubation mit Molekulargewichts-Fraktionen zeigten sowohl
inhibitorische als auch überraschenderweise stimulierende Effekte. Netto überwog die
Inhibition der GnRH- Sekretion durch die großmolekulare Fraktion MG > 50 kDa mit 70,1 ±
7,8 % der Kontrollwerte (p = 0,0009) bei den urämischen Zellen. Die Stimulation ging von
den Fraktionen mit kleinen Molekulargewichten aus: < 5 kDa, 20-50 kDa. Die urämischen
Zellen zeigten eine extrazelluläre GnRH- Konzentration von 119 ± 5 % der Kontrollwerten in
der Fraktion 20-50 kDa (p= 0,014) und von 127 ± 2 % der Kontrollwerten in der Fraktion <
5kDa (p= 0,008).
Die GnRH- Halbwertszeit unterschied sich nicht zwischen urämischem und nicht urämischem
Serum. Durch Hitzeinaktivierung und Zugabe des spezifischen GnRH- Endopeptidase-
Hemmers war zwar die Abbaurate verringert; jedoch fanden sich weiterhin Unterschiede in
der GnRH- Sekretion zwischen den urämischen und den Kontrollzellen. Desweiteren fanden
wir bei der Untersuchung der GnRH- Genexpression keine signifikante Veränderung
zwischen urämischen und Kontrollzellen.
Aus den vorliegenden Daten können wir schlussfolgern, dass das GT1-7 Neuronenmodell zur
Untersuchung der GnRH- Sekretion bei Urämie geeignet ist. Die Daten lassen vermuten, dass
urämisches Serum offenbar Substanzen enthält, welche die GnRH- Sekretion, nicht aber die
GnRH-Genexpression in GT 1-7 Neuronen hemmen. Sie befinden sich in der
hochmolekularen Serumfraktion MG > 50 kDa und sind thermostabil.